Neben den klassischen fünf Sinnen und dem Gleichgewichtssinn gibt es noch einen weiteren, oft übersehenen: die Körperwahrnehmung (Fachbegriff: Propriozeption), also die Wahrnehmung der eigenen Körperposition und -bewegung. Möglich wird sie durch feine Sensoren in Muskeln, Sehnen und Gelenken, die ständig melden, wie stark sie gerade gedehnt oder angespannt sind. Weil dieser Sinn uns genauso zuverlässig informiert wie die klassischen fünf Sinne, wird er bis heute manchmal als „sechster Sinn“ bezeichnet.
Ohne dass wir bewusst hinschauen müssen, wissen wir jederzeit, wie unsere Gelenke gerade gestellt sind und wie stark unsere Muskeln angespannt sind. Diese Informationen laufen mit Signalen aus dem Gleichgewichtssinn und den Augen zusammen und ermöglichen erst koordinierte, kontrollierte Bewegungsabläufe – vom sicheren Treppensteigen bis zum präzisen Greifen nach einer Tasse.
Forschung, unter anderem aus der Bewegungs- und Rehabilitationswissenschaft, deutet darauf hin, dass gezieltes sensomotorisches Training Gleichgewicht und Koordination unterstützen kann. Für den Alltag heißt das: Wer die eigene Körperwahrnehmung bewusst trainiert, kann davon in ganz unterschiedlichen Bewegungssituationen profitieren – vom Sport bis zum sicheren Bewegen im Alltag.
Alltagsübungen
Übung 1: Hand-Wechsel. Führen Sie eine gewohnte Alltagstätigkeit bewusst mit der nicht-dominanten Hand aus, zum Beispiel Zähneputzen oder eine Tür öffnen. Spüren Sie, wie viel mehr Aufmerksamkeit die Bewegung plötzlich braucht.
Übung 2: Blind greifen. Schließen Sie kurz die Augen und versuchen Sie, einen Gegenstand auf dem Tisch gezielt zu greifen. Das trainiert, sich stärker auf die Körperwahrnehmung statt auf die Augen zu verlassen.
Übung 3: Bewusstes Treppensteigen. Nehmen Sie beim Treppensteigen einmal bewusst wahr, wie sich Fußsohle, Knie und Hüfte bei jedem Schritt anpassen – ohne das Tempo zu verändern.