Wir sprechen selbstverständlich von fünf Sinnen – Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten. Der Gleichgewichtssinn wird dabei häufig vergessen, obwohl er ununterbrochen aktiv ist. Verantwortlich dafür ist das Gleichgewichtsorgan im Innenohr (Fachbegriff: Vestibularorgan). Es registriert, wenn wir den Kopf drehen, und erkennt, in welche Richtung uns die Schwerkraft gerade zieht.

Diese Informationen laufen im Gehirn mit Signalen aus den Augen und aus der Körperwahrnehmung (Propriozeption) zusammen. Erst dieses Zusammenspiel ermöglicht es, die Körperhaltung ständig anzupassen, aufrecht zu stehen, sich sicher zu bewegen und selbst kleine Unebenheiten im Boden auszugleichen, ohne dass wir bewusst darüber nachdenken müssen. Weil der Gleichgewichtssinn kein eigenes, bewusst erlebtes „Sinnesbild“ liefert wie etwa das Auge ein Bild, fällt er im Alltag kaum auf – er wird oft erst bemerkt, wenn er gestört ist, etwa bei Schwindel.

Wie andere Sinnessysteme lässt sich auch das Gleichgewichtssystem im Alltag beanspruchen und trainieren: Wer regelmäßig instabile oder ungewohnte Körperpositionen einnimmt, fordert das Zusammenspiel von Innenohr, Augen und Körperwahrnehmung heraus – ein bewusster Kontrast zu vielen Alltagssituationen, in denen wir uns überwiegend auf festem, ebenem Untergrund bewegen.

Alltagsübungen

Übung 1: Einbeinstand. Stellen Sie sich beim Zähneputzen oder beim Warten auf den Wasserkocher abwechselnd auf ein Bein. Steigern Sie die Dauer nach und nach, wenn Sie sich sicher fühlen.

Übung 2: Augen zu, Gleichgewicht an. Stehen Sie sicher und stabil, zum Beispiel in Wandnähe, und schließen Sie für einige Sekunden die Augen. Sie werden merken, wie viel mehr Ihr Gleichgewichtssystem plötzlich arbeiten muss, wenn die visuelle Kontrolle fehlt.

Übung 3: Ungewohnter Untergrund. Gehen Sie bewusst ein paar Schritte auf einem weichen oder unebenen Untergrund, zum Beispiel Rasen oder einer gefalteten Decke – achtsam und in sicherer Umgebung.

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