Unser Gehirn verarbeitet in jedem Moment Signale aus mehreren Sinnessystemen gleichzeitig – Sehen, Hören, Tasten, Riechen, Schmecken sowie Gleichgewichts- und Körperwahrnehmung. Diesen Prozess, bei dem verschiedene Sinneseindrücke zu einem einzigen Gesamteindruck zusammengeführt werden, bezeichnet die Forschung als multisensorische Integration. Sie läuft größtenteils automatisch und unbewusst ab: Das Gehirn gewichtet die einzelnen Sinneseindrücke je nach Situation unterschiedlich – in einer lauten Umgebung verlassen wir uns zum Beispiel stärker auf das Sehen, im Dunkeln stärker auf Hören und Tasten.

In einem modernen Alltag mit Bildschirmen, Hintergrundgeräuschen, Benachrichtigungen und häufigem Multitasking sind oft gleich mehrere Sinneskanäle dauerhaft gleichzeitig beansprucht. Anders als einzelne Sinnesreize, die schnell wieder abklingen, kann diese Kombination aus vielen gleichzeitigen Reizen als anstrengend erlebt werden. Bewusste „sensorische Pausen“, in denen gezielt einzelne Sinneskanäle reduziert werden, können eine einfache Möglichkeit sein, dem entgegenzuwirken.

Balance der Sinne bedeutet deshalb nicht, möglichst viele Reize gleichzeitig aufzunehmen, sondern bewusst zu entscheiden, welcher Sinn gerade im Vordergrund stehen soll – und welche anderen Kanäle für einen Moment in den Hintergrund treten dürfen.

Alltagsübungen

Übung 1: Ein-Sinn-Pause. Schließen Sie für 2 bis 3 Minuten bewusst die Augen und konzentrieren Sie sich ausschließlich auf das, was Sie hören – ohne Musik oder Podcast, einfach die Geräusche der Umgebung.

Übung 2: Reizarme Mahlzeit. Essen Sie eine Mahlzeit bewusst ohne Bildschirm, Musik oder Gespräch und konzentrieren Sie sich ausschließlich auf Geschmack, Geruch und Textur des Essens.

Übung 3: Stille Minute. Legen Sie sich bewusst eine „stille Minute“ im Tagesverlauf zurecht, in der Sie weder sprechen noch aktiv zuhören – zum Beispiel beim Blick aus dem Fenster.

 

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