Balance ist im Zusammenhang von Gesundheit und Wohlbefinden kein Zustand, den man einmal erreicht, sondern ein fortlaufender Ausgleichsprozess zwischen Anspannung und Erholung, Kontrolle und Gelassenheit, Reiz und Ruhe. Gerade im Arbeitsalltag lohnt sich der Blick auf drei Bereiche, in denen sich dieser Ausgleich besonders deutlich zeigt: Essen, Bewegung und Entspannung.
Beim Essen zeigt die Ernährungspsychologie: Starre Verbote erhöhen paradoxerweise das Risiko für Kontrollverlust – ein Effekt, den die sogenannte Restraint-Theorie (Polivy & Herman) beschreibt. Wer sich bewussten Genuss erlaubt und ihn achtsam wahrnimmt, isst laut Studien häufig ausgeglichener als jemand mit strikten Essregeln. Auch das Zusammenspiel der fünf Grundgeschmacksrichtungen – süß, sauer, salzig, bitter, umami – trägt zur Balance beim Essen bei: Erst ihr bewusstes Ausbalancieren macht ein Gericht rund und das Essen zu einem vollen Sinneserlebnis.
In der Bewegung sorgen zwei oft unterschätzte Sinne für Stabilität: der Gleichgewichtssinn im Innenohr und die Körperwahrnehmung, die uns über Muskeln und Gelenke jederzeit spüren lässt, wie wir gerade stehen und uns bewegen. Beide arbeiten meist unbemerkt im Hintergrund, lassen sich aber gezielt trainieren – etwa durch kurze Balance-Übungen im Alltag, die Gleichgewicht und Koordination unterstützen können.
In der Entspannung geht es um das Wechselspiel von Sympathikus und Parasympathikus im autonomen Nervensystem – Aktivierung und Erholung als zwei Seiten derselben Medaille. Die Herzratenvariabilität dient der Forschung dabei als Fenster in dieses Zusammenspiel. Ergänzend spielt die bewusste Dosierung von Sinnesreizen eine Rolle: In einem Alltag mit vielen gleichzeitigen Reizen – Bildschirme, Lärm, Multitasking – können bewusste sensorische Pausen entlasten.
Praktisch heißt das: Genuss bewusst erlauben statt verbieten, Mahlzeiten geschmacklich ausbalancieren, kurze Balance-Momente in Routinen einbauen, nach Anspannungsphasen bewusst innehalten und regelmäßig einzelne Sinneskanäle gezielt entlasten. Balance ist damit kein einmaliges Ziel, sondern das Zusammenspiel kleiner, wiederkehrender Entscheidungen im Alltag – und genau darin liegt ihre Stärke: Auch an vollen Arbeitstagen lassen sich so bewusst Auszeiten und Genussmomente schaffen. Wer sich übrigens fragt, ob „Nichtstun“ auch Genuss sein kann oder darf, wird sich vermutlich freuen. Die Antwort der Expertinnen und Experten lautet eindeutig Ja.
In unserer digitalen GENUSS-BOX auf dieser Webseite findet ihr ab sofort sechs neue Übungsseiten mit Hintergrundinformationen, Anregungen und Tipps sowie Anleitungen für kleine niedrigschwellige Alltagsübungen, darunter „Balance braucht Mut zum Genuss: Warum bewusstes Genießen kein Kontrollverlust ist“ oder „Der vergessene Sinn – das Gleichgewicht: Wie das Vestibularorgan uns stabil hält“. Taucht gerne ein in unsere neuen Themen und lasst euch von den Inhalten inspirieren. Denn: Genuss tut gut.
Titelfoto: © BDSI